Realitätsflucht - Tag 2
7:45 - Guten Morgen
Es lässt sich nicht vermeiden, nach knapp 10 Stunden auch mal aus dem Bett zu klettern. Habe die Nacht u.a. davon geträumt, wie ich meine Nachbarzivilisation mit Axtmännern zerschmettere, was nichts Ungewöhnliches ist. Müsste den Spaß glatt mal auf eine Woche ausdehnen und mal gucken, was ich dann träume, allerdings wird mir vorher das Geld ausgehen, welches ich gestern mit offenen Händen in der Stadt verteilt habe.
Heute habe ich um 12 Uhr einen Termin mit der Arbeitsvermittlung, bei dem ich dafür sorgen werde, daß die Gammelei ein Ende hat. Nach sechs Wochen habe ich bereits die Nase voll, obwohl (oder weil) mein Rekord dafür bei mehreren Jahren liegt. Zuerst werde ich aber mal einen Friseur aufsuchen und ein paar Wochenendeinkäufe erledigen.
9:15 - Warten
Es hat etwas gedauert, den Arsch hochzubekommen, fast schon beruhigend, daß dies auch ohne PC so ist. Aber nur fast. Mittlerweile habe ich beim Friseur eingecheckt und warte, bis ich dran bin. Die Klatschmagazine lachen mich an und wären sicher kein wirklicher Regelverstoss, aber ich ignoriere sie sicherheitshalber mal. Es ist gut was los, einige Rentner, Hausfrauen und andere Arbeitslose waren schon vor mir da, weshalb ich 45 Minuten lang dem Azubi (w) in den Ausschnitt gucke.
11:15 - Gebändigt
Ich sehe nun ein bisschen aus wie Donnie Darko, nur besser. Tatsächlich konnte die Friseurin meine Mähne bändigen, ohne auf eine lahme Wuschelfrisur zurückgreifen zu müssen. Mein Zockerfrühstück für morgen (Chips und Cola) habe ich sicher verstaut, mittlerweile sitze ich schon in der Bahn zur Stadt. Nach dem Termin werde ich zu meiner Bekannten stolzieren, der Rest findet sich dann schon. Tatsächlich ist ein Museum eingeplant.
14:00 - Planungen
Der Termin verlief wunderbar, ich war dort etwa 30 Minuten und habe am Montag einen Termin. Es geht um eine Webseite, die überarbeitet und erweitert werden soll. Es rennen zwar genügend Informatikstudis in der Stadt rum, dennoch geht die Sache wohl an einen Ungelernten. Habe eine sehr hübsche und nette Vermittlerin, leider habe ich sie zu wenig zu Wort kommen lassen, um die Bekanntschaft zu vertiefen. Weiss ich eigentlich besser, aber ich kanns nicht lassen. Am Montag begleitet sie mich zum Vorstellungstermin, dann lasse ich sie mal reden und dann sehen wir weiter. Eine Top-Frau und demzufolge sicher nicht mehr zu haben, aber wer weiss, vielleicht ist sie auch einfach sehr anspruchsvoll. Mittlerweile hänge ich bei meiner Bekannten rum und wir debattieren das Ziel für den Nachmittag. Da das Medienmuseum zufällig geschlossen ist, sieht es ganz danach aus, als ob das Naturkundemuseum das Ziel der Wahl wäre.
17:00 - Zu
Wer hätte gedacht, daß ein Museum schon um 17h schliesst, hätte bestimmt noch mehrere Minuten lang ausgestopfte Tiere, Steine, Pflanzen und die Aquarien begutachten können. Die Natur ist echt toll, auch wenn ich das meiste davon echt nicht in der Wohnung haben wollte. Wobei so ein Stein auf dem Regal doch recht nett wäre...
Nun sitzen wir in einem Café gegenüber des Einkaufszentrums und lästern über die ein- und ausgehenden Leute. Die Bedienung hat uns sogar gefragt, ob wir ein Glas Wasser zum Kaffee wollen, ein lustiger Trend, den ich irgendwie verpasst haben muss. Wir haben bejaht, aber sie hat es vergessen. Jetzt werde ich vielleicht nie herausfinden, für was das gut ist. Als nächstes werden wir einen gemeinsamen Kumpel besuchen und bisschen rumhängen. Meine Bekannte hat mich mittlerweile auch oft genug nach der Uhrzeit gefragt, um mein Gesicht wieder in den Normalzustand zu bringen.
20:30 - Abendbrot
Da meine Bekannte noch einen Termin hat, bin ich wieder auf mich allein gestellt. Ich habe beschlossen, mein Abendbrot im Burger King zu mir zu nehmen, nicht nur wegen der Qualität der dargereichten Speisen, sondern auch, um eine ehemalige Kollegin zu treffen, die ich seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen habe. Nicht, daß wir verabredet wären, leider habe ich ihre Nummer verlegt (nichtmal im Thunderbird!) aber ich gebe ihr mal 45 Minuten, um aufzutauchen.
21:00 - Ich warte draussen weiter
Wie bekommt man 45 Minuten im BK rum? Es haben sich zwar zwei Mädels demonstrativ in mein Sichtfeld gesetzt (zumindest glaube ich das), aber ich habe eine sehr gute Ausrede, diese nicht anzusprechen. Lustig auch, daß die Frau am Nachbartisch wegen 2€ mit dem Geschäftsführer feilscht. Dennoch wird es langsam langweilig und zudem gibt es keine Raucherecke. Also warte ich draussen weiter.
22:00 - Ha!
Den ganzen Tag verblödelt und nichts getan. Ich frage mich echt, wie ich manchmal überhaupt Zeit zum zocken finde, wenn mich schon Nichts tun so in Anspruch nehmen kann. In 10 Minuten wird meine Bahn ankommen und mich zu Hause abliefern. Ich bin genug gelaufen und dementsprechend müde. Der Samstag ist auch gerettet, man denke nur an die zahllosen neuen Forenpostings aus den letzten beiden Tagen. Übrigens finde ich es übertrieben, wenn sich Paare innigst an der Haltestelle küssen, um dann anschliessend gemeinsam in die Bahn zu steigen.
22:40 - Die letzte Versuchung
Ich bin zuhause und damit ist der Tag eigentlich um. Ob ich gleich an den PC gehe und dann schlafe, oder umgekehrt, ist eigentlich egal. Deshalb gehe ich gleich ins Bett, irgendwo muss man schon konsequent bleiben.